15.07.2006 Mauerpfeffer (Natur)
Im
WATTREPORT AKTUELL wird die folgende Pflanze vorgestellt:
„Mauerpfeffer“ (Sedum acre)
„Alles grünt und blüht
jetzt im Juni in den Küstendünen. Vor allem sind es mehrjährige Stauden, die
ein ausreichendes Wurzelnetz haben, um auch bei Hitze noch genug Wasser im Sand
zu finden. Die strahlendsten gelben Blütenpolster, in denen man kaum noch grüne
Blätter entdecken kann, bildet der Mauerpfeffer.
Es ist eine Pflanze aus der
Familie der Dickblattgewächse, die für Stein- und Dachgärten sehr beliebt sind,
weil sie dickfleischig (sukkulent) wie kleine Kakteen sind.
Der Mauerpfeffer wird 3 – 5
cm hoch und hat fleischige, etwa 4 mm lange Blättchen, die den aufrechten
Stängel säulenförmig einschließen. Mit flach wachsenden kurzen Ausläufern
bildet er dichte Polster, die durch die enge Nachbarschaft der Stängel den
Wasserverlust gering halten.
Seine gut 1 cm großen
Blüten stehen am Stängelende und in den seitlichen Blattachseln darunter. Sie
haben fünf spitze Blütenblätter; auch Staubbeutel und Blütenboden sind
leuchtend gelb.
Kaut man ein
Pflanzenstückchen, bemerkt man sehr bald einen scharfen Geschmack, der von
einem Alkaloid stammt und der Pflanze zu ihrem Namen verhalf.
Hätten Sie
gedacht, dass …
… der wissenschaftliche
Name übersetzt „scharfe Sitzende“ bedeutet, was sich unzweideutig auf
den Geschmack & den niedrigen Wuchs bezieht?
… der Mauerpfeffer auf
Dänisch „beißendes Steinkraut“ heißt, was gleichermaßen treffend ist?
… die Blüten viel Nektar
und Pollen produzieren, die gerne von Bienen gesammelt werden?
… es weltweit fast 500
Arten aus dieser Gattung der Dickblattgewächse gibt?
… der Mauerpfeffer bei
Hitze seine Spaltöffnungen zum Verdunstungsschutz schließt und seine
Fotosynthese mit gespeichertem CO² fortsetzt, wie es auch Kakteen tun
(CAM-Stoffwechsel)?
… der scharfe Geschmack
durch die Alkaloide beim Erhitzen erhalten bleiben soll, die Giftigkeit aber
angeblich nachlässt?
… die Pflanze in
verschiednen Ländern als Heil-, Tee- und Salatkraut verwendet wurde, obwohl bis
heute unklar ist, ob und wie ihre Alkaloide wirken?
…Mauerpfeffer bei
Schienenbauern sehr beliebt ist, da er sich perfekt zur Begrünung von
Gleisbetten eignet – und auch noch hübsch blüht!
Wo ist der
Mauerpfeffer zu finden?
Das Verbreitungsgebiet der
Art erstreckt sich vom Atlasgebirge in Nordafrika durch ganz Europa bis nach Vorderasien.
Gartenliebhaber vergangener Jahrhunderte haben die Art auch in Nordamerika und
Neuseeland eingeschleppt.
Der Mauerpfeffer besiedelt
offene, sehr sonnige, trockene Wuchsorte, wo ihm aufgrund der wüstenartigen
Standortbedingungen keine höheren Pflanzen das Licht wegnehmen können. Er ist
äußerst robust und wuchsfreudig, so dass auch entwurzelte Triebe, die zum
Beispiel von Vögeln bei der Beutesuche ausgezupft wurden, gut weiter leben und
wieder anwachsen.
An den Nährstoffgehalt des
Bodens stellt der Mauerpfeffer kaum Ansprüche, er wächst auch in Kies auf
Flachdächern und in Mauerfugen (Z.B. in den Ritzen der „Hessenmauer“, welche das
Nordwestende von Spiekeroog vor der Sturmflut schützen soll.) Nur die Sonne darf man ihm nicht nehmen,
denn bei Beschattung kümmert er bald.
Da der Mauerpfeffer wenig
Stützgewebe bildet, kann er nicht besonders gut klettern. In Hanglage „fließt“
er als Blütenteppich hangabwärts.“
Text: Rainer Borcherding
Quelle: WATTREPORT AKTUELL, Nr.
6/06 – www.schutzstation-Wattenmeer.de
Link:
è http://de.wikipedia.org/wiki/Scharfer_Mauerpfeffer
è www.natur-lexikon.com > Mauerpfeffer