24.11.2006
„Schwebenetze“: ein Etikettenschwindel
(Natur)
In einer PRESSE-INFO des WWF wird darüber berichtet, dass die EU
Fischereiminister haben auf Druck von Frankreich und Italien beschlossen haben,
die seit Jahren verbotenen Treibnetze für die Jagd auf Schwertfische und die
stark gefährdeten Roten Tunfische im Mittelmeer wieder zuzulassen. Die Netze
laufen offiziell zwar unter der Bezeichnung "Schwebenetze". Sie sind
aber nach Angaben des WWF nichts anderes als mit Ankern versehene Treibnetze:
„WWF-Fischereiexpertin
Heike Vesper: "Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein weiterer
trauriger Rückschritt der europäischen Fischereipolitik. Treibnetze können bis
zu sechs Kilometer lang sein und treiben wie nahezu unsichtbare Gardinen im
Wasser. Dadurch gefährden sie Delfine, Haie und andere Meeresbewohner. Die
Tiere verfangen sich in den Netzen und sterben einen qualvollen Tod." Die
Treibnetzfischerei im Mittelmeer war aus diesem Grund bereits 2002
von der EU verboten worden.
Die heutige
Entscheidung sei ein Skandal, so der WWF. Der WWF weist darauf hin, dass der
Abbau der Treibnetzfischerei in der Vergangenheit innerhalb der EU
subventioniert wurde. "Es ist einfach unverschämt, dass sich die Nutznießer
dieser Subventionen durch die Hintertür wieder für die Treibnetzfischerei
stark machen", so Vesper.
Nach Ansicht
des WWF verschleiern die Schwebenetze den Charakter herkömmlicher Treibnetze.
Schwebenetze seien zwar mit einem Anker versehen, würden allerdings bis zur
Wasseroberfläche auftreiben - dieser "Gardinen-Effekt" mache für die
vom Beifang bedrohten Haie, Delfine und Meeresschildkröten keinen
Unterschied.
Zudem ignoriere
die EU mit dieser Entscheidung den alarmierenden Einbruch der Tunfischbestände
im Mittelmeer. Der WWF hatte kürzlich in einer Studie gezeigt, dass die
tatsächlichen Fangmengen 40 Prozent über den offiziellen Quoten liegen. In den
Gewässern um die Balearen sind die Fangmengen seit 1995 um 85 Prozent gefallen.
Konnten spanische und französische Fischer damals noch 14.699 Tonnen anlanden,
waren es in dieser Saison nur noch 2.270 Tonnen. "Die EU setzt alles
daran, dem Tunfisch
endgültig den Garaus zumachen und den kleinen Fischern die Lebensgrundlage
zu entziehen", so Vesper.“
Quelle: WWF-Presseinfo v. 22.11.06
Link: è www.wwf.de/index.php?RDCT=01a17d3646bbaccf66b0