In einer Presseinformation der SCHUTZSTATION
WATTENMEER ist Folgendes zu lesen:
„Ab Februar sind die
Ringelgänse nach diesem sehr milden Winter recht früh aus ihren französischen
und britischen Winterquartieren an die Wattenmeerküste Schleswig-Holsteins
zurückgekehrt. „Bis Mitte Mai rasten etwa 65.000 Ringelgänse, also etwa ein
Drittel der gesamten Population, vor allem auf den Halligen und Inseln
Nordfrieslands, aber auch an der Küste von St. Peter bis Nordstrand und an der Spitze der
Hamburger Hallig“, berichtet Klaus Günther von der SCHUTZSTATION WATTENMEER.
Der Biologe koordiniert seit über 10
Jahren die regelmäßigen, im Auftrag des Nationalparkamts durchgeführten
Rastvogelzählungen im Wattenmeer.
Die
Ringelgänse haben es gar nicht so leicht, sich auf die über 4.000 Kilometer
lange Zugstrecke in die Brutgebiete an der Eismeerküste der Taimyr-Halbinsel im
Norden Sibiriens vorzubereiten. Die Vegetarier müssen sich ausreichend
Fettreserven von etwa 350 Gramm als „Flugtreibstoff“ anfuttern, um ein Abfluggewicht
von etwa 1.700 Gramm zu erreichen. Während ihnen im letzten Frühjahr der späte
Wintereinbruch Probleme bereitete, so ist in diesem Frühjahr trotz des milden
Winters ebenfalls recht wenig Futter verfügbar, da sich die Vegetation auf den Salzwiesen der Halligen und im Vorland wegen
des späten "Landunter" im März und der folgenden regenlosen und
trockenen Zeit nicht besonders gut entwickeln konnte.
Aber bereits während der
Frühjahrsrast der Gänse im Wattenmeer werden die Grundlagen für eine erfolgreiche
Brutsaison im kurzen sibirischen Sommer gelegt. Denn nur diejenigen Vögel, die
wohlgenährt von hier abziehen, schaffen es auch, in Sibirien Nachwuchs
großzuziehen, wie niederländische Studien zeigten. Daher ist es für die Gänse
sehr nachteilig, wenn sie neben der Nahrungsknappheit auch noch durch
militärische Tiefflugübungen oder andere Tiefflieger über dem Wattenmeer zu oft
aufgescheucht und gestört werden.
In Sibirien ist es für den
Bruterfolg der Gänse dann entscheidend, ob es viele Lemminge gibt oder nicht,
denn Polarfüchse und andere Beutegreifer, die sich vorzugsweise von diesen
kleinen Nagetieren ernähren, wechseln, wenn diese fehlen, auf Eier und Küken
der Vögel als Beute. In der Regel kommt es alle drei Jahre zu einer
Massenvermehrung der Lemminge und daher auch zu einem besonders erfolgreichen
Brutjahr für die Vögel. Seit Anfang der 1990er Jahre war dieser Zyklus
allerdings unterbrochen: „Lemmingjahre“ blieben fast aus und daher gab es auch
keine besonders guten Brutjahre für die Gänse. Wohl vor allem deswegen
verringerte sich die Populationsgröße der Ringelgänse in den letzten zehn
Jahren um gut 30% von 300.000 auf unter 200.000 Vögel!
„Im vorletzten Jahr gab es
dann aber endlich wieder ein Jahr mit sehr vielen Lemmingen und prompt auch
wieder sehr guten Bruterfolg bei den Ringelgänsen, deren Bestand sich nun
wieder leicht erholt“ bemerkt der Biologe der SCHUTZSTATION WATTENMEER
optimistisch. Wie in jedem Jahr erfolgt am ersten Mai-Wochenende, wenn sich
fast alle Ringelgänse im Wattenmeer versammelt haben, die große
Gänse-Synchron-Zählung von den Niederlanden bis Dänemark und dann wird die
aktuelle Bestandsgröße ermittelt.
Nicht nur für die
Ringelgänse, sondern auch für die Nonnengänse
ist das Wattenmeer das bedeutendste Rastgebiet auf dem Heimzug von ihren
Überwinterungsgebieten in den Niederlanden zu den Brutgebieten an der
Eismeerküste Nordsibiriens. Etwa 100.000 Nonnengänse rasten im Frühjahr auf den
Salzwiesen Schleswig-Holsteins. Sie bevorzugen allerdings nicht wie die
Ringelgänse die Halligen und Inseln, sondern ausschließlich die Salzwiesen an
der Festlandsküste.
Noch vor 50 Jahren waren
Ringelgänse und Nonnengänse vom Aussterben bedroht, vor allem auf Grund von
intensiver Bejagung entlang ihres gesamten Zugweges. Internationale Schutzbemühungen
sorgten dann für eine deutliche Erholung der Bestände. In den Nationalparken im
Wattenmeer verloren die Tiere durch den Schutz mehr und mehr ihre Scheu, so
dass man heute große Gänseschwärme aus geringer Entfernung, fast „hautnah“
hervorragend beobachten kann. "Ein unvergessliches Naturerlebnis",
verspricht Klaus Günther und lädt alle Naturinteressieren zu den 10.
Ringelganstagen auf die Halligen ein. Es werden Exkursionen, Vorträge,
Tierbeobachtungen sowie ein buntes
Kultur- und Kinderprogramm rund um die Ringelgänse angeboten.
Links:
è www.schutzstation-wattenmeer.de
è www.natur-lexikon.com/TexteHWG/001/00087/HWG00087.html
è http://de.wikipedia.org/wiki/Ringelgans