In
einer WWF-PRESSE-INFO wird darauf aufmerksam gemacht, dass „das Artensterben
und die Vernichtung bedeutender Lebensräume in den Ozeanen bislang trotz zahlreicher nationaler und internationaler
Schutzinitiativen nicht gebremst werden konnte.
Überfischung, Klimawandel, Rohstoffhunger, Meeresverschmutzung, Schifffahrt und
die Verbauung der Küsten bedrohen die Meere. Dies geht aus einem zum Tag der
Ozeane am 8. Juni veröffentlichten WWF-Bericht hervor. „Der globale
Meeresschutz entwickelt sich im Schneckentempo, während zeitgleich die
Plünderung und Zerstörung der Ozeane immer neue Dimensionen erreicht“, warnt WWF-Expertin
Karoline Schacht.
Der WWF zeigt sich
besonders besorgt über den Rückgang der Artenvielfalt. In seinem „Living Planet
Index“ beobachtet der WWF bei 274 Meeresarten einen Rückgang um mehr als 25 Prozent
seit 1970. Die Bestände großer Fische wie Tunfisch, Marlin, Schwertfisch, Hai
oder Kabeljau sind um rund 90 Prozent geschrumpft. Alle Meeresschildkrötenarten
sind vom Aussterben bedroht. Auch wertvolle Lebensräume schwinden. Binnen zehn
Jahren wurden fast die Hälfte aller südamerikanischen und ein Viertel aller
asiatischen Mangrovenwälder zerstört – um beispielsweise Platz für
Fischfarmen zu machen.
150 Millionen Tonnen Fisch
und andere Meerestiere werden jedes Jahr durch legale und illegale Fischerei
sowie als Beifänge aus dem Meer gezogen. Über drei Viertel der weltweiten
Fischbestände sind bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus geplündert. Bis 2050
droht nach einer Studie kanadischer Forscher der Kollaps der wirtschaftlich
genutzten Fischbestände. Zerstörerische Fischereipraktiken richten komplette Ökosysteme zugrunde. So sind bereits bis zu 50
Prozent der wertvollen Kaltwasser-Korallenriffe des Nordostatlantik geschädigt.
„Die Hauptschuld tragen Bodenschleppnetze, die mit ihren tonnenschweren Ketten,
Netzen und Stahlplatten die Riffe umpflügen“, erläutert
WWF-Sprecherin Schacht.
Erwärmung und Übersäuerung
der Meere als Folgen der Kohlendioxid-Emissionen verwüsten tropische
Korallenriffe. In der Karibik führten 2005 die wärmsten jemals gemessenen Wassertemperaturen
zu einem noch nie dagewesenen Korallensterben. Bis Mitte des Jahrhunderts
könnte das australische Great Barrier Reef zu 95 Prozent geschädigt sein, so
der WWF. Der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels um 56 cm bis Ende des
Jahrhunderts gefährdet artenreiche Küstenregionen. Die indischen Sunderbarns,
die größten Mangrovensümpfe der Welt, könnten völlig verschwinden.
Der Druck auf die
Rohstoffvorräte im Meer wächst. Bereits ein Drittel des Rohöls stammt aus
Offshore-Anlagen. Ökologisch empfindliche Regionen wie die Küsten Ost- und
Westafrikas, die Barentssee oder der Nordostatlantik sind im Visier der Öl- und
Gasindustrie. Förderprojekte vor der russischen Insel Sachalin gefährden die
letzten 100 Westpazifischen Grauwale. Selbst Nationalparke sollen geplündert
werden – so plant RWE Dea weitere Öl-Bohrungen im deutschen Wattenmeer. Ein
neues Kapitel der Rohstoffausbeutung droht im Pazifik, wo am Meeresboden
riesige Vorkommen von Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt lagern. Die ökologischen
Folgen eines solchen „Goldrauschs“ für die unberührte und empfindliche Tiefsee
könnten katastrophal sein, fürchtet der WWF.
„Nur mit einem globalen
Rettungsprogramm kann die Artenvielfalt der Ozeane bewahrt werden“, so WWF-Expertin
Schacht. Lediglich 0,6 Prozent der Meere sind bislang unter Schutz gestellt.
Der WWF fordert, 80 Prozent der artenreichen Korallenriffe, Mangroven- und
Küstenfeuchtwälder, Flussmündungen, Seegraswiesen und Seeberge vollständig zu
schützen. Auf 40 Prozent der Hochseegebiete müssten zudem Öl- und Gasförderung
sowie Fischerei verboten werden. Zudem müssten die globalen
Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 um die Hälfte reduziert werden. Der „Tag der
Ozeane” wird jedes Jahr am 8. Juni begangen. Er wurde beim UN-Erdgipfel in Rio
1992 ins Leben gerufen.“
Der 20
Seiten umfassende Bericht kann als PDF-Datei abgerufen werden:
Quelle: WWW-PRESSE-INFO
vom
è www.wwf.de/presse/details/news/gepluendert_verschmutzt_und_zerstoert/