11.04.2005
2x vom Tsunami in Thailand überrascht
(Revier/Ausland)
Im
SEA KAYAKER schildern Karen & Ryan Kurytnik in dem Beitrag
„A Stroke of Luck. A couple kayaking along the west coast of
ihre
Erlebnisse, als sie unterwegs entlang der Küste morgens von den Tsunamis
überrascht wurden, die am 26.12.04 die thailändische Küste heimsuchten.
Am
23.12.04 starteten beide ihre Tour im Zweier-Faltboot. Sie errichteten ein
Standquartier direkt am Strand der Insel Ko Adang, die im Tarutao National Park
an der südwestlichen Küste Thailands liegt, und erkundeten mit ihrem Kajak und
zu Fuß die Umgebung. Am 25.12.04 starteten sie dann zu einer 10-tägigen-Tour.
Ihr erstes Ziel war die Insel Ko Lipe, dann der Strand von Ko Adang. Unterwegs
setzten sie ein Segel und genossen es, wie die Landschaft an ihnen vorbei
trieb. Eine plötzlich starke Windböe kenterte sie jedoch. Dank „Kentersocken“
und Pumpe gelang es ihnen aber, ihr Kajak wieder fahrfertig zu bekommen. Die
Kenterung wurde sogar als erfrischend angesehen, kein Wunder bei einer
Lufttemperatur von +35° C. Ihr Zelt bauten sie an der höchsten Stelle des
Strandes auf, dort wo der Dschungel beginnt. In der Nähe zelteten noch 3
weitere Kanuten.
Am
Morgen, 26.12.04, stiegen die anderen Kanuten in ihre Kajaks und gingen auf
Tour. Karen & Ryan beschlossen um 9.45 Uhr zu schnorcheln. Eine Viertel Stunde
später, begann sich das Wasser zurückzuziehen. Die Strömung trieb sie hinaus.
Das Wasser sank, sodass die Korallenbänke, über die sie vorher schwammen,
trocken fielen. Hilflos trieben sie im Wasser. Es war für sie unmöglich, zu Fuß
über die scharfkantigen Korallen zurück zur Insel zu laufen. Plötzlich kippte
die Strömung um. Das Wasser kehrte zurück. Eine ca. 5 Meter hohe Brandungswelle
schmiss sie auf die vor bzw. unter ihnen liegenden Korallen und spülte sie dann
weiter Richtung Strand. Zum Glück fanden sie etwas Halt am Strand, sodass das
plötzlich wieder zurück strömende Wasser sie nicht wieder Richtung offenes Meer
mitnehmen konnte.
Der
nächste Brecher war noch höher. Er erreichte ihr Zelt und spülte es in die
Büsche. Mit letzter Kraft gelang es ihnen ihr Kajak zu halten und in den etwas
höher gelegenen Dschungel zu schleppen. Dann versuchten sie wenigstens einen
Teil ihrer Ausrüstung zu retten. Ca. 20 Minuten noch rauschten die Brecher
heran. Zum Glück waren sie nicht mehr so gewaltig wie die ersten beiden
Tsunamis.
Als
der Spuk vorbei war, sammelten sie am Strand die Reste ihres Gepäcks auf. Ein
einheimischer Fischer half ihnen dabei. Er erzählt ihnen, dass er so etwas hier
auf seiner Insel noch nicht erlebt hat. Anschließend verließen sie die Insel
und paddelten weitab vom Strand zur nächsten Rangerstation. Dort trafen sie
auch die drei Kanuten wieder, die weitab von der Inseln Ko Rawi draußen auf dem
Meer die Tsunamis überstanden hatten. Ein paar Tage später kehrten sie nochmals
zu ihrem Übernachtungsplatz zurück, wo sie die Tsunamis überraschten, und
fanden am Rand des Dschungel noch die verschiedensten Ausrüstungsteile, u.a.
auch ihre Reisedokumente.
Trotz
all dieses furchtbaren Geschehens setzten Karen & Ryan 7 Tage später ihre
Tour durch den Tarutao National Park fort.
Im
KANU MAGAZIN berichten Irmi Schmidt und Manfred Bachmann in einem Interview mit
dem Titel:
„Im Schatten
der Welle“
über
ihre Erlebnis mit dem Tsunami. Sie befanden sich an der Südspitze Phukets, nahe
der Nai Harn Beach, hatten gerade ihre Faltboote startbereit am Strand abgelegt
und wollten im nahe gelegenen Restaurant einer Bungalowsiedlung ein letztes Mal
frühstücken. Da ging plötzlich das Wasser „um
etliche Meter zurück, sogar die Korallenbänke lagen trocken in der Sonne.“ Ein
zufällig vorbei gekommener englischer Surfer meinte dazu nur: „Ich habe noch nie eine Flutwelle gesehen,
aber das könnte ein Anzeichen sein. Ich würde vom Strand weg…“ und
verschwand. Daraufhin trugen die beiden ihre beladenen Faltboote 2 Höhenmeter
eine Böschung hinauf. Dann kam auch schon das Wasser wieder zurück, zum Glück
nicht als Brecher, sondern als stetig ansteigende Flutwelle. Damit die beiden
Boote nicht abtrieben, wurde sie einzelnen noch weiter die Böschung hoch
getragen. Das Wasser ging dann erneut zurück. „Kurz darauf kam die zweite Welle – ungeheuer schnell und deutlich
höher als die erste. Wir rannten wieder zu den Booten, zerrten sie wieder
bergauf. .. Dann, völlig ausgepowert, beobachteten wir das (um 4,50 m
Höhenmeter angestiegene) Meer, bis die Gefahr vorüber schien.“ Anschließend
wollten sie endlich ins Restaurant zum Frühstücken … aber es war nicht mehr da,
es „war buchstäblich weggespült.“
Trotz
alledem entschieden sich auch diese beiden Faltbootfahrer dazu loszupaddeln,
und zwar Richtung Phangna Bay, einem Naturschutzgebiet nordöstlich von Phuket,
wo der Tsunami nur eine Wasserstandserhöhung von 1 m verursachte. „Nahezu alle (Einheimischen), die wir
trafen, freuten sich über uns. Oft sah man uns wohl als kleinen
Hoffnungsschimmer für einen wiederkehrenden Tourismus.“
Quelle:
SEA KAYAKER, No. April 2005, S.48-51
– www.seakayakermag.com
KANU
MAGAZIN, Nr. 3/05, S.34-37 – www.kanumagazin.de