22.03.2006 Winderscheinungen der Adria (Wetter -
Revier/Ausland)
In der YACHT berichtet M.Sachweh in dem Beitrag:
„Wechselnde Winde“
über typische
Windverhältnisse in der nördlichen Adria. Im Gegensatz zu Nord-Europa, wo der Wind
nicht so gleichmäßig weht, denken wir doch nur daran, wenn durch die Deutsche
Bucht ein Tief nach dem anderen durchzieht, wie wir es sicherlich bald z.B. im
April erleben werden, dann kann aus einem wechselnd schwachem Wind in der Nacht
vormittags ein Südost-Wind, nachmittags ein Süd-Wind, spät abends ein
West-Wind, am nächsten Morgen ein Nordwest-Wind wehen, dem dann wieder eine
kurze Phase mit wechselnd schwachem Wind folgt usw. usf.
In der nördlichen Adria
sieht das jedoch anders aus. Dort weht es nicht so wechselhaft aus den
verschiedensten Richtung. Wenn erst mal der Wind dreht, dann steht i.d.R. eine
Wetteränderung bevor und der Wind aus der neuen Richtung weht erst mal einige
Zeit lang. Deshalb haben diese Winde, die aus typischen Richtung wehen, auch
feste Namen, wie Maestrale, Bora und Schirokko (Jugo).
Maestrale:
- Er weht im Sommer sehr beständig mit 3-4 Bft.
(Nordteil) bzw. 4-5 Bft (Südteil) aus westlicher bis nordwestlicher
Richtung.
- Er wird durch einen Keil des Azorenhochs
verursacht, welches über dem westlichen Mittelmeer liegt, und einem Tief
im östlichen Mittelmeerraum.
- Solange das Hoch sich nicht verschiebt, mit dem
bei einem Hoch nicht so schnell zu rechnen ist wie bei einem Tief, wird
der Maestrale wehen.
- Der bei Sonnentagen vormittags sich immer neu
entwickelnde auflandig wehende
thermische Wind (Seewind), verstärkt an der
slowenisch-kroatischen Küste den Maestral bzw. schwächt ihn an der
Ostküste Italiens ab.
- Die Landthermik lässt bedrohliche
Cumuluswolkengebirge entstehen. Der Kvarner Golf zählt daher zu jener
Küstenregion mit den meisten Gewittern (45 Gewittertage/Jahr). Wenn abends
der Seewind nachlässt, die Wolkengebirge sich auflösen und gegebenenfalls
später die See- durch die Landbrise abgelöst wird, bleibt das Wetter schön.
Bora:
- Er weht ablandig nahe der bergigen Küste. An der
Küste liegende Inseln können ihn zusätzlich verstärken
(„Düsen-/Kapeffekte“). Er ist sehr böig. „Schwachwind und Sturm folgen
Schlag auf Schlag.“
- Dringt die relativ kältere Polarluft bis zum
Balkan vor, steigt der Luftdruck, wobei sich das Luftdruckgefälle hin zur
Adria nicht so leicht ausgleichen kann, da das bis zu 2.000 m hohe
dalmatinische Küstengebirge wie eine Sperre wirkt. Lediglich durch die
Richtung Küste verlaufenden Täler, die wie Ventile wirken, kann die Luft
entweichen. Es handelt sich dabei um typische „Düseneffekte“, die dazu
führen, dass der Wind mit 6-8 Bft. aus Nordost bis Ost blasen kann.
- Liegt dann noch ein Tief über der Südadria bzw.
Süditalien, kann die Fließgeschwindigkeit der von den Bergen kommenden
Kaltluft auf Orkanstärke ansteigen.
- Da solche Tiefs in den Sommermonaten nicht so
häufig über Süditalien bzw. die Südadria hinwegziehen, treten
Bora-Wetterlagen im Sommer nicht so häufig auf. In der Saison 2006 wehte
im April die Bora noch 13x, im Mai nur noch 9x, Juni 7x, Juli 7x, August
10x, September 13x und im Oktober schon wieder 14x.
- Besonders gefährdete Region: Kvarner Golf bis
Rijeka.
- Bora-Anzeichen:
a) Dunstreiche Tage folgen tiefblauer Himmel und klare
Sicht;
b) Morgentau fällt aus;
c) die morgendliche Landbrise wird nicht durch die
Seebrise abgelöst;
d) steigender Luftdruck (2 hPa in 3 Std.);
e) Wolkenbank über den Bergen, „von denen sich
Wolkenfetzen lösen“;
f)
manchmal folgt die Bora
einem mehrtägigen Südwind.
Schirokko (Jugo):
- Er kommt aus südlicher Richtung und nimmt ganz
langsam zu, ohne dabei böig zu werden:
1. Tag: „ein Hauch aus Südost“;
2. Tag: „schwache Brise“;
3. Tag: „3-4 Bft. aus Süd bis Südost (4-5 Bft. i. d.
südlichen Adria).
- Er wird durch ein Hoch über dem Balkan und ein
Tief über dem westlichen Mittelmeer erzeugt.
- Wandert dann das Tief in Richtung Süditalien
bzw. Südadria weiter, entstehen dann die unter f) beschriebenen
Voraussetzungen der Bora:
- Ausgelöst wird er durch einfließende kalte Luft
aus Südfrankreich (welches meist den im westlichen Mittelmeer aus den
Alpen blasenden „Mistral“ verursacht)..Zum Druckausgleich fließt auf der
Ostseite des am Golf von Genau bildenden Tiefs (sog. „Genua-Tief“) heiße
Luft aus Afrika herein, welches den Tiefdruckwirbel nicht nur verstärkt,
sondern das „Genua-Tief“ daran hindert, weiter zu wandern. Die Folge: eine
mehrere Tage andauernder, gleichmäßig wehende Südwindperiode auf der
Adria.
- Mit dem Schirokko verschlechtert sich das
Wetter. Da die heiße Luft sehr feucht ist, wird es schwül. Es ziehen
Schichtwolken auf und die Sicht nimmt ab (letztlich auch wegen des
mitgeführten Sahara-Staubs).
- Kritisch kann es in der Nord-Adria werden, und
somit auch für Venedig und Istrien (Kroatien), und zwar nicht weil der
Wind so stark weht, sondern weil der Windweg (Fetch) so lang ist. Die
Folge: eine 4-5 m hohe Dünung, die alljährlich dafür verantwortlich ist,
das Venedig „Land unter“ meldet“.
- Nähert sich die Kaltfront des Genau-Tiefs, sind
die Stunden des Schirokko gezählt. Dafür setzt kräftiger Regen ein mit
gewittrigen Sturmböen aus Südwest bis West.
Eine nicht solche beständige
Winderscheinung stellte die Wasserhose
dar:
- Ab Juli/August entwickeln sich nicht nur über
Land, sondern auch über dem Meer riesige Wolkentürme auf, die lokale
Schauer und Gewitter zur Folge haben können….
- … manchmal aber auch Tromben, das sind 100-200 m breite Wolkenrüssel, in denen es
mit 9-12 Bft. windet. Dort wo der Rüssel
auf das Wasser trifft, „bildet sich eine meterhohe Mauer aus
Gischt“.
Quelle: YACHT,
Nr. 7/06, S.30-32 – www.yacht.de