Pete Bray
gelang es 2001 im Kajak non-stop von Neufundland nach Irland zu paddeln. Er
startete am
Das Boot
Pete saß in einem extra für
diesen Zweck vom Briten Robin Feloy (Kirton-Kayaks) konstruierten Seekajak mit
Kabine im Achterschiff. Das Kajak war insgesamt 822 cm lang. Über Breite (ca.
80 cm?) und Höhe (ca. 90 cm?) wurden keine Daten bekannt gegeben. Gepaddelt
wurde vom Cockpit aus. Geschlafen bzw. geruht wurde
Solo-Non-Stop-Paddel-Tour
Er paddelte die ganze
Strecke, d.h. er verzichtete auf den Vortrieb eines Segels bzw. Drachens
(Kite). Wir können jedoch davon ausgehen, dass der Kabinenaufbau bei Wind eine
Angriffsfläche bot, die, sofern der Wind aus westlicher Richtung kam – aber nur
dann -, für entsprechenden Vortrieb Richtung Irland sorgte.
Bei seiner Tour wurde er
nicht durch Dritte vor Ort unterstützt. Wohl aber kontaktierte er per
Satelliten-Telefon fast täglich einen Betreuer in Großbritannien bzw. auf
Neufundland. Ein solcher Kontakt schmälert nicht seine Leistung, er hat aber
sicherlich mit dazu beigetragen, daraus die nötige Kraft zum Weiterpaddeln zu
schöpfen. Abgesehen davon waren mehrmals Telefongespräche erforderlich, um sich
Rat für die Reparatur einzelner Materialen einzuholen.
Unterstützung durch Wind & Strom
Die wohl tourenentscheidende
Unterstützung erhielt er jedoch durch den überwiegend aus westlicher Richtung
wehenden Wind und den Golfstrom (sofern
er strömte und Pete sich mitten drin befand); denn ohne beide Naturgewalten
wäre eine solche Querung sicherlich nicht mit einem Kajak möglich. Leider blies
es nicht immer aus Westen, sodass er manchmal befürchtete, auf dem immerhin ca.
2.700 km entfernt liegenden Island anlanden zu müssen. Außerdem musste der Weg
zum Golfstrom erst einmal zurückgelegt werden. Dabei konnte er jedoch anfänglich
auf die Unterstützung durch den Labrador Strom hoffen.
Wie viel der ca. 3.300 km
von Pete per Paddelschlag zurückgelegt wurden und wie viel Kilometer dem Wind
bzw. der Strömung zuzurechnen sind, darüber finden wir leider keine Hinweise.
In Anbetracht dessen, dass sich Pete des
Rechentechnisches Manöver
Aber wir können – zumindest
was seine Fahrtgeschwindigkeit über Grund betrifft - selber folgende Rechnung
aufmachen und auf diese Weise Rückschlüssel auf die eigentliche
Kilometerleistung ziehen:
Sonne, Wind & Wellen
Pete hat bei seiner Tour ein
Wetter auf dem Atlantik erlebt, dass schon lange nicht mehr so schlecht war. Es
stürmte immer und immer wieder (leider
werden keinen Windstärken genannt). Mehrere Male war er daher gezwungen,
manchmal bis zu 4 Tage hintereinander in seiner „Kabine“ zu verbringen und sich
einfach treiben zu lassen. Nur an einem einzigen Tag schien die Sonne und nur
in einer Nacht sah er die Sterne. Ansonsten war es immer bewölkt oder neblig.
Die fehlende Sonne führte zu
folgenden negativen Auswirkungen:
Leider schafft es Pete nicht
herüberzubringen, wie er die Naturgewalten Wind & Wellen erlebt und
empfunden hat. Z.B. wenn es mal wieder allzu stark windete, dann wechselte er
halt in seine Kabine hinüber und wartete ab. Das war’s. Und wenn sein Kajak,
welches er Newt (ein amphibisches
Wesen mit schlanken Körper und kümmerlichen Beinen) taufte, in den Sturzseen
mehrere Male hintereinander durchkenterte, dann war’s das auch. Wie er sich
dabei fühlte, wie es dann in seiner Kabine aussah und wie leicht sein Kajak
wieder hochrollte, davon erfahren wir nur Stichworte oder gar nichts.
Ein paar Erlebnisse
Bemerkenswert waren für mich
eigentlich nur 5 Ereignisse:
Endspurt mit Hindernissen
Wie es das wohl so ist, die letzten
Tage vor Irland wurde es richtig kritisch. Dazu zählte nicht nur die
Beinah-Kollision mit dem Fischkutter (s. Nr. 5), sondern auch jener
Sachverhalt, dass zum Schluss alle elektronischen Geräte ausgefallen waren,
sodass es Pete nicht mehr möglich war, Kontakt mit seinem Betreuern
aufzunehmen. Ebenfalls stellte das Inmarsat-Tracking-Gerät seinen Betrieb ein,
was dazu führt, dass keine automatischen Positionsmeldungen mehr ausgestrahlt
wurden. Schließlich meldete sich die Irische Coast Guard bei seinem Betreuer,
der schon an der irischen Küste auf Pete wartete, dass Pete’s Seenotbake den
Seenotfall anzeigte. Der Betreuer führte das auf einen elektronischen
Fehlkontakt zurück und bat die Coast Guard den Notruf zu ignorieren! (In
Anbetracht dessen, dass der Australier Andrew McAuley bei seiner Querung von
Tasmanien nach Neuseeland ca. 60 km vor Neuseeland in Seenot geriet und seitdem
nicht mehr gesehen wurde, war das eine mutige
Entscheidung, die sich später jedoch als richtig erwies.) Schließlich war es Pete
vor der irischen Felsküste bewusst, dass ihm nun eigentlich die kritischste
Phase der Tour bevorstand, nämlich einen sicheren Anlandeplatz zu finden. Zum
Glück begegnete ihn kurz vor der Küste ein weiterer Fischkutter, der ihm - der
im Rundfunk schon als vermisst gemeldet wurde - den Weg zum kleinen Hafen von
Belderrig, welches am südwestlichen Ende der Donegal Bay liegt, zeigte.
Eigentlich sollte Pete an einem anderen Ende der Donegal Bay, dem Hafen von
Killybegs, anlanden. Aber dass hätte geheißen, nochmals Landsicht zu verlieren,
wozu Pete verständlicherweise nicht bereit war. So landete er in Belderrig an,
kletterte über eine Leiter die Hafenmauer hoch, bat zwei zufällig
vorbeikommende Fußgänger, die ihm helfen wollten, noch zu warten, bis er wenigstens
die ersten paar Schritte allein und ohne fremde Unterstützung gegangen sei, …
und sackte dann auf den Boden.
Kein Medienrummel
Leider fand Pete’s Tour -
die erste Paddeltour quer über den Atlantik, und zwar nicht über die relative
warme Passatroute, sondern über die recht kalte Westwindroute - kaum Beachtung
in seinem Heimatland. Zum einen lag es wohl daran, dass die BCU nicht hinter
ihm stand, nachdem er sich mit ihr verärgert hatte, weil sie von ihm, der 1996
Großbritannien im Zweier-Kajak umrundet hatte, zum Erwerb der verschiedenen
Star-Qualifikationen trotzdem die Absolvierung aller Wochenendkurse forderte.
Zum anderen traf er gerade in Großbritannien ein, als am
Fragen & Fakten
Immerhin hatte er die
Gelegenheit, im US-amerikanischen SEA KAYAKER über seine Tour zu berichten.
Auch schaffte er es 2004, ein 173 Seiten umfassendes Buch über seine
Atlantikquerung zu schreiben. Nun, der SK-Beitrag beschränkt sich auf das
Wesentliche, aber spätestens im Buch hätten mehr Infos herüber kommen können,
z.B.:
Dennoch gibt es genügend
andere interessante Infos, die das Buch liefert, und zwar nicht nur über die
Vorbereitungsphase (inkl. Sponsoring). Z.B. erfahren wir:
1. Versuch endete nach 24 Std. im Chaos
Schließlich erfahren wir
auch über Pete’s ersten Querungsversuch ein Jahr zuvor, der schon nach 24
Stunden wegen Wassereinbruch scheiterte. Pete musste, ohne seine Betreuer informieren
zu können, fasst nackt und nur mit einem Tag/Nacht-Seenotsignalmittel bestückt,
in seine Rettungsinsel übersetzen und alles andere zurücklassen (z.B.
Verpflegung, Seenotsignalraketen, eine Seenotbake von Breitling). Dort wartete
er darauf, dass er vermisst und gesucht wurde. Sein treibendes Kajak wurde von
der Besatzung eines Fischkutters entdeckt, die daraufhin die Seenotrettung
informierte. Übrigens, vom Fischkutter später abgeliefert Kajak war vollständig
geplündert. Vermutlich hatte zuvor die Besatzung eines anderen Kutters das
treibende Kajak entdeckt und sich der Wertsachen bemächtigt, ohne die Sichtung
der Coast Guard zu melden.
Der Grund für die Havarie
lag in einer Lenzpumpe, die wegen eines falschen Anschlusses das Wasser nicht
heraus-, sondern hineinpumpte. Der Wassereinbruch erfolgte so schnell und
setzte zusätzlich die ganze Elektronik außer Betrieb. Zuvor musste jedoch Pete
feststellen, dass er seinen Bordcomputer, der per Satellit den Kontakt zu
seinen Betreuern aufrechterhalten sollte, gar nicht in Gang setzen konnte, da
er das Password nicht kannte.
Da lief wohl einiges schief.
Aber aus Fehlern konnte Pete lernen und wie der erfolgreiche 2. Versuch es
zeigt, hatte Pete das auch getan.
Warum er nun auf sein von
dem britischen Kajakhersteller MEGA gebautes Kajak nicht ein zweites Mal
verwendete, sondern vielmehr auf eine – äußerlich recht ähnliche -
Neukonstruktion von Robin Feloy (Kirton) setzte, erfahren wird jedoch nicht.
Wohl aber wird begründet, warum das Kajak von Feloy über keinen Kiel mehr
verfügte, und zwar um das Seegangsverhalten bei sehr schwerer See zu
verbessern. Auch wird begründet, warum die Strategie des ersten Versuchs, nur
Fazit
Zum Schluss frage ich mich
jedoch, was Pete dazu getrieben hat, ohne große Probefahrten sich einem Kajak
wochenlang Tag & Nacht anzuvertrauen. Was hätte eigentlich dagegen
gesprochen, z.B. mal „kurz“ die Nordsee von England (Newcastle) nach Norwegen
(Stavanger) (ca. 600 km) zu queren (und mit der Fähre zurückzufahren), um zu
erkennen, ob die Ausrüstung wirklich stimmt. So aber „stürzt“ er sich mit einem
Kajak in den Atlantik und setzt darauf, dass schon alles gut gehen wird. Beim
1. Versuch hätte er dabei beinahe schon nach 24 Std. seinen Leben „verspielt“.
Text: U.Beier –
www.kanu.de/kueste/
Quelle:
P.Bray: Kayak across the
P.Bray:
è www.seakayakermag.com/2002/02Feb/atlantic01.htm
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