EU sei Dank! Was seit Jahren
Richtung West und Nord möglich ist, nämlich – entsprechende Seetüchtigkeit
vorausgesetzt - z.B. von Borkum einfach und ohne Formalitäten Richtung
Schiermonnikog (NL) bzw. von Sylt hinüber nach Rømø (DK) zu paddeln, ist seit
Ende 2007 auch Richtung Ost möglich, nämlich von Usedom Richtung Wollin (Polen)
zu paddeln oder einfach nur Usedom zu umrunden. Bei alle den Tourvarianten
findet wohl ein Grenzübertritt statt, aber der ist halt EU-Bürgern
grundsätzlich jederzeit und an jedem Ort möglich.
Grenzübertrittsbestimmungen im Sportbootverkehr
Der Homepage des
BUNDESPOLIZEIAMT SEE (Neustadt S/H):
è
www.bundespolizei-see.de/Aktuell/toern/images/SGK-Sportbootverkehr.pdf
können wir entnehmen, welche
Bestimmungen beim Grenzübertritt im Sportbootverkehr zu beachten sind:
Übertragen auf den
Sportbootgrenzverkehr zwischen Polen und Deutschland heißt das Folgendes:
1. Der Sportbootreiseverkehr ist grundsätzlich von der
Ein- und Ausreisekontrolle befreit.
2. Im Einzelfall können jedoch im grenznahen Küstenmeer
Kontrollen durchgeführt werden.
3. Damit wir uns ausweisen können, müssen wir z.B. einen
gültigen Personalausweis mit uns führen.
4. Es besteht keine Verpflichtung mehr, nach dem
Grenzübertritt einen Hafen anzulaufen, der als Grenzübergangsstelle zugelassen
ist.
5. Ein extra „Grenzerlaubnis“ ist nicht mehr
erforderlich.
Wir können folglich von
Usedom kommend entweder entlang der Ostseeküste (hier: vorbei an Heringsdorf)
bzw. über das „Kleine Haff“ (hier: vorbei an Kamminke (Usedom) bzw. Altwarp
(Festland)) ins „Stettiner Haff“ (hier: Richtung Stettin, Swinemünde oder
Wollin) paddeln, ohne uns in Polen irgendwo melden zu müssen.
U.U. könnten wir Kanuten
jedoch schifffahrtsrechtliche Probleme bei der Befahrung der Swine, der Enge zwischen Usedom
und Wollin bekommen, und zwar insbesondere bei der Durchfahrung des Hafens von
Swinemünde/Swinoujscie. Abgesehen davon können wir beim Paddeln auf der Swine auf stärkere Strömung
stoßen. In der Regel ist mit auslaufendem Strom zu rechnen, der bei stark
ablandigem Wind bis zu 7,5 km/h fließen kann. Bei starken nordwestlichen Winden
erleben wir dagegen einlaufenden Strom, der
bis zu 4 km/h strömen kann.
Um insbesondere den
schifffahrtsrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen, haben vorpommersche
Kanuten darauf verzichtet, bei einer Tour, die in Kamminke gestartet wurde und
über Altwarp/Neuwarp (PL) zum östlichen Haffpunkt (nahe der Südspitze von
Wollin) und dann weiter über den „Großen Vietziger See“ nach Lebbin (Wollin)
führte, den Swinemünder Hafen zu passieren. Stattdessen packten sie ihre Seekajaks
in Lebbin auf die Bootswagen und zogen dann 3 km über Land nach Misdroy
(Ostseeküste von Wollin). Dort setzen sie wieder ein und paddelten entlang der
Ostseeküste von Wollin nach Usedom, wo die Tour in Heringsdorf endete.
Tourenempfehlung für die Anreise per Seekajak auf
deutscher Seite
a)
Variante Seeseite Usedom
Die
Fahrt von Rügen bzw. Greifswald aus kommende um die Nordspitze von Usedom herum ist nur besonders seetüchtigen
Kanuten mit seetüchtiger Ausrüstung zu raten. Schon ab 3-4 Bft. kann an den
Flachstellen vor, neben und hinter der Insel
Ruden Seegang herrschen, der weniger erfahrene Kanuten schnell in
Schwierigkeiten bringen kann. Dasselbe trifft für die Weiterfahrt entlang der
Seeseite von Usedom zu, wobei zu berücksichtigen ist, dass zunächst im
Nordosten ein Sperrgebiet zu umfahren ist, das bis zu 5 km auf die offene See
reicht. Bei nördlichen bis östlichen Wind kann entlang des Ostseestrandes
Brandung auftreten, die besondere Anforderung an die Seegangstüchtigkeit des
Kanuten stellt. Nicht minder problematisch kann die Umfahrung der Halbinsel
Struck und die Einfahrt in den Spandowhagener Wiek verlaufen.
Spätestens ab 4 Bft. Wind aus westlicher bis nördlicher Richtung kann an den
Flachstellen vor Struck Brandung auftreten.
b)
Variante Peenestrom – Kleines Haff
Ansonsten
befinden wir uns bei der Weiterfahrt Richtung Peenestrom (je nach Windrichtung und –stärke ist in den
Engstellen mit Strom bis max. 3-4 km/h zu rechnen) und Kleines Haff auf der etwas sichereren Seite. Spätestens bei
Erreichen des Kleinen Haffs wird jedoch wieder entsprechende
Seegangstüchtigkeit vorausgesetzt; denn wenn dort aus nordwestlicher bis
östlicher Richtung der Wind mit 3-4 Bft. und mehr weht, kann es am
Festlandsufer branden und weit ab vom Ufer ein kurzer, steiler Seegang
herrschen. Dann empfiehlt es sich, rechtzeitig hinüber ans Ufer von Usedom
auszuweichen.
c)
Variante Peenestrom – Kleines Haff – (Landtransport) – Seeseite Usedom
Wer
unbedingt die Passage entlang der Seeseite
von Usedom nicht missen möchte, dem empfiehlt es sich, wenn ihm die
Umfahrung der Nordspitze von Usedom zu unsicher ist, irgendwo Usedom per
Bootswagen zu queren, z.B.:
Text:
U.Beier
Hotline der Bundespolizei See: Tel. 01805-234566
Link: www.bundespolizei-see.de
Literatur:
K.Ohlert: Pfingsttour auf dem Stettiner Haff, in: Seekajak,
Nr. 112/08, S.34-36.
è
www.kuesenkanuwandern.de/revier_a/080709_b.html
K.Welke: Erstmals Paddeln ohne Kontrolle über
deutsch-polnische Ländergrenze hinweg, in: Kanu Sport, Nr. 2/08, S.7.
è
www.kuesenkanuwandern.de/revier_a/080201.html
J.Werner: Ostseeküste (Travemünde bis Stettin), 5. Aufl. 2008,
S.180-196.
Deutscher
Motoryachtverband (Hg.): Polen
(kleiner Reiseführer für motorisierte Wassersportler)
è
www.dmyv.de/index.php?id=385 (neue
Auflage abrufbar erst ab: Anfang 2009)
Kartenmaterial:
Für
die Fahrt entlang der Festlandsküste bis Ueckermünde genügt der „Tourenatlas
Wasserwandern – Nr. 6: Deutschland-Nordost“ (1:75.000) hrsg. von
Jübermann-Kartographie è www.juebermann.de .
Für
die Fahrt von Wolgast aus entlang der Festlandseite von Usedom bis Kamminke und
darüber hinaus sowie für die Fahrt von Zempin (Usedom) aus entlang der Seeseite
von Usedom bis Ahlbeck und darüber hinaus und für die Fahrt rund Wollin bietet
sich die polnische Karte „Wolin Usnam“ (1:50.000) an, hrsg. von Carto Media è www.cartomedia.pl
.
Wer
unbedingt auf eine Seekarte zurückgreifen möchte, der sollte sich mal den vom
N.V.-Verlag herausgegebenen Sportbootkartensatz „Serie 4“ anschauen, der vom
Darß bis Ende Wollin reicht und den südlichen Teil des Stettiner Haffs
einbezieht, der in den erwähnten Karten nicht enthalten ist è www.nv-verlag.de
.