16.11.2012 Griechenland im Winter: Kefalonia (Revier/Ausland)

 

Christian Zicke hat auf der Homepage von OUTDOORDIREKT.de den folgenden Beitrag veröffentlicht:

 

Wenn Wildwasserfahrer Wandern.

Eine Lehrstunde des Mittelmeeres

(Insel Kefalonia, Winter 2010)

è www.outdoordirekt.de/reiseberichte/seekajak-kefalonia-griechenland.html

 

und über seine 8-tägige und ca. 100 km lange Gepäcktour „halbrund“ Kefalonia berichtet. Begleitet wird er von 5 Kameraden. Küstenerfahrungen haben nur zwei, die übrigen sind jedoch  WW-V-Fahrer. Gepaddelt wird vom 4.-11.1.10, also in der Wintersaison. Angereist wird per VW-Bus (beladen mit 6 Seekajaks!?) über Ancona (Italien). Von dort geht es mit der Fähre nach Patras (Peloponnes/Griechenland) und dann mit der nächsten Fähre etwas zurück nach Lixouri auf die gewünschte Insel.

 

In den – teilweise „zusammengeliehenen“ – Seekajaks geht es in Lixouri aufs Wasser … bei +19° C Lufttemperatur und an die 6 Bft. Gegenwind, der Wellen aufbauen lässt, die nicht mehr überblickt werden können! Obwohl an diesem ersten Tag nicht weit gepaddelt wurde – immerhin konnte sie am ersten Übernachtungsplatz Lixouri in der Ferne sehen – hatten die Gewässerbedingungen die Gruppe so auseinander gerissen, dass zwei der WW-Fahrer erst mit einer Stunde Verspätung eintrudelten. Aber der Wind verfolgte sie auch am Land. Die Brandung wurde immer stärker und die Gischt flog bis zu den Zelten, sodass das Zeltlager abgebrochen und weiter im Inland wieder aufgebaut wurde. Ja, so hatten sich die sechs das Mittelmeer nicht vorgestellt!

 

Am nächsten Tag ging es weiter vorbei am Kap Akroni inmitten von Wellen, die mindestens gefühlte 4 Meter hoch waren. Auf alle Fälle waren sie so hoch, dass beim Anlanden am nächsten 5 km entfernt liegenden Sandstrand zwei mit ihren Seekajaks in den sich aufbäumenden Brechern kerzten und dann „loopten“. Anschließend hatten sie genug zu tun, um nicht nur ihre Seekajaks auf den Strand zu ziehen, sondern auch die von Deck gespülte Ausrüstung (z.B. Kajakbox, Notsender, Trinkflasche, Lenzpumpe) aus dem Wasser zu fischen. Das reichte für diesen Tag. Nachdem das Zeltlager aufgebaut war, ging es jedoch wieder aufs Wasser zum „Surfen was das Zeug hält“, natürlich mit leeren Booten und Helm. Leider überlebte das LETTMANNs „Magellan“ nur bedingt: Schon am ersten Tag riss die Steueranlage ab und nun – am zweiten Tag – ging in der Brandung der ovale Buglukendeckel verloren! (è Behelfslösung: wasserdichten Packsack so zerschneiden, dass ein Teil davon plan über die offene Luke gelegt und mit einem Seil festgeschnürt werden kann).

 

Am dritten Tag konnte endlich Strecke gepaddelt werden: 25 km bei Seegang und mäßigem Rückenwind. In der Bucht von Petani-Bay wurde übernachtet.

 

Für den vierten Tag prognostizierte der Seewetterbericht 5-7 Bft. in Böen 8 Bft. und 6-Meter-Wellen! Trotzdem geht es los. Schon die erste, urplötzlich aufkommende achter Böen zwingt einen zum Rollen. In Anbetracht der immer wieder einfallenden Böen und eingedenk dessen, dass bis zum nächsten, 10 km entfernt liegenden Notlandeplatz „die alles zerschmetternde Steilküste im Nacken“ lag, wurde umgekehrt und zurück zur Übernachtungsstelle in der Petani-Bay gepaddelt. Wie bei WW-Paddlern üblich, wurde dann die Steilküstenpassage abgegangen und nach weiteren Notlandeplätzen Ausschau gehalten.

 

Der fünfte Tag brachte eine weitere Wetterverschlechterung. Der Pausentag wurde genutzt, um sich im nächsten Dort zu versorgen, das beschädigte Steuer schweißen zu lassen und das Auto nachzuholen.

 

Am sechsten Tag ging es - komme was wolle - wieder aufs Wasser:

 

 

Nach dieser 10 km langen Steilküstenpassage folgte noch im Wind- & Wellenschatten eine 20 km lange Passage von Bucht zu Bucht bis hin zur Myrtho-Bay.

 

Der siebte Tag sollte gemütlich im Fischerdorf von Assos enden. Vom Tavernenbesuch wurde geträumt, vom Duschen und von einem richtigen Bett … aber der zum Touristendorf mutierte Ort war nahezu ausgestorben, lag im Winterschlaf.

 

Am nächsten Tag wurde das Nordkap von Kefalonia umrundet und bis zum Ort Fiscardo gepaddelt. Dort begrüßte sie der Bürgermeister als seine ersten ausländischen Gäste im neuen Jahr.

 

Da es wieder anfing zu regnen & winden, wurde das Auto nachgeholt und die Inselumrundung am achten Tag nach ca. 100 km, also 150 km vor dem Ziel für beendet erklärt.

 

Der Beitrag schließt ab mit einem Gefahrenhinweis: „Immer wieder Steilküste ohne Anlandemöglichkeit, Winde, Wellen und starke Brandung im Winter!“

 

Anmerkungen U.B.:

 

Zusammenfassung: U.Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Meltemi.pdf