30.10.2001
Mehr Mitsprache der Bevoelkerung beim Schutz des Wattenmeeres (Revier)
Im
Folgenden wird ein Auszug aus einer Pressemeldung des Bundesumweltministeriums
(Nr. 218/01) gebracht, der die "Signale" zu entnehmen sind, dass das
Wattenmeer in der Deutschen Bucht nicht "vor", sondern "zusammen
mit" der Bevölkerung geschützt werden sollte:
"Fuer
eine breitere Beteiligung der Oeffentlichkeit bei Entwicklung und Schutz des
Wattenmeeres hat sich die Parlamentarische Staatssekretaerin im Bundesumweltministerium
Gila Altmann ausgesprochen. "Die verstaerkte Einbindung der Anwohner des
Wattenmeeres im Rahmen eines ‚Trilateralen Wattenmeerforums' wird die Akzeptanz
von Massnahmen des Natur- und Meeresumweltschutzes in diesem oekologisch
sensiblen Gebiet staerken," sagte sie im Vorfeld der 9. Trilateralen
Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres, die morgen im daenischen
Esbjerg stattfindet. Ziel des Wattenmeerforums wird es sein, unter Einbeziehung
von Bevoelkerung und Verbaenden Perspektiven fuer eine nachhaltige Entwicklung
in diesem Gebiet zu erarbeiten und sie der kommenden Regierungskonferenz
vorzulegen. An der 9. Wattenmeerkonferenz nehmen neben Regierungsvertretern der
Niederlande und Daenemarks auch die Landesumweltminister Niedersachsens und
Schleswig-Holsteins sowie der Hamburger Umweltsenator teil.
Deutschland
wird sich in Esbjerg u.a. fuer eine weltweite Anerkennung des Wattenmeeres als
"besonders empfindliches Meeresgebiet" (PSSA- Particulary Sensitive
Sea Area) einsetzen, die bereits seit vielen Jahren zwischen den drei
Wattenmeerstaaten diskutiert wird. Das Wattenmeer erfuellt in seinen
trilateralen Schutzgebietsgrenzen (entspricht in Deutschland den
Nationalparken) alle Anforderungen, da es sich um ein oekologisch besonders
wertvolles Gebiet handelt, das durch negative Auswirkungen des Schiffsverkehrs
beeintraechtigt werden kann. ...
Sie
trat damit zugleich Befuerchtungen entgegen, Hafenwirtschaft und Schifffahrt
muessten dadurch mit zusaetzlichen Belastungen rechnen. "Die Umsetzung bestehender
Schutzvorschriften sind in den vergangenen Jahren intensiviert worden, sodass
keine zusaetzlichen Massnahmen im Zuge der Anerkennung als besonders
empfindliches Meeresgebiet geplant sind. ... Das Wattenmeer waere bei seiner
Anerkennung das weltweit dritte
besonders empfindliche Meeresgebiet nach dem Great Barrier Reef bei Australien
und dem kubanischen Sabana-Camagueey-Archipel.
Die
Auszeichnung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe ist ein weiterer wichtiger
Punkt der Konferenz. Deutschland strebt eine Aufnahme in die UNESCO-Liste
spaetestens fuer das Jahr 2005 an. Eine moegliche Nominierung kann allerdings
nur gemeinsam mit der oertlichen Bevoelkerung und Interessenvertretern
vorbereitet werden. Deshalb wurden in diesem Jahr intensive Gespraeche mit
Anwohnern und Verbaenden im Rahmen von Anhoerungen gefuehrt. Waehrend sich in
Deutschland eine positive Resonanz abzeichnet, sind die Signale aus den beiden
anderen Staaten sehr unterschiedlich -- bis hin zur Ablehnung in Daenemark.
Daher ist in Esbjerg ein solcher Beschluss noch nicht zu erwarten."
Info: BMU-Pressereferat (http://www.bmu.de/presse)
Lt.
Meldung des HAMBURGER ABENDBLATTs wurden auf der 9. Wattenmeerschutzkonferenz
u.a. die folgenden Vereinbarungen getroffen:
1.
Das gesamte Wattenmeer
der Nordsee soll als "Besonders Empfindliches Meeresgebiet"
(PSSA-Gebiet). ausgewiesen werden.
2.
Die Beifangraten von
Schweinswalen soll verringert werden.
3.
Es wird ein
"Wattenmeerforum" eingerichtet, das bis zum Jahr 2005 mit der
Bevölkerung und Interessengruppen konkrete Vorschläge für den weiteren Schutz
des Wattenmeers erarbeiten soll.
4.
Die Frage, ob und wann
das Wattenmeer als "Weltnaturerbe" bei der Unesco angemeldet werden
soll, wurde auf 2003 vertagt.
Die
deutsche Delegation konnte sich jedoch nicht mit ihrer Forderung durchsetzen,
den industriellen und nicht unmittelbar für den menschlichen Verzehr bestimmten
Fischfang (z.B. Fang für Fischmehl) im Wattenmeer zu verbieten.
Quelle:
HAMBURGER ABENDBLATT v. 1.11.01