08.11.2006 Greifswalder
Bodden: Freiwillig Vereinbarungen vs. gesetzliche Regelungen
(Revier/Inland)
In einer WWF-Presse-Info v. 21.07.2006 zieht das
WWF-Projektbüro in Stralsund unter dem Titel:
„Ein offenes
Ohr für das Modellprojekt“
eine positive Bilanz über die freiwilligen
Befahrensvereinbarungen, die im Interesse des Naturschutzes für die Region um
den Greifswalder Bodden (inkl. Usedom, Rügen, Strelasund und Zudar) getroffen
wurden. Siehe hierzu die Infos auf der DKV-Homepage bzw. der vom WWF
eingerichteten Homepage:
www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrung-Greifswalder-Bodden.pdf (5/07/04)
www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrung-Usedom-und-Ruegen.pdf (19/07/04)
www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrung-Strelasund-und-Zudar.pdf (8/11/05)
Die WWF-Presse-Info hat den folgenden Wortlaut:
„Der WWF
zeigt sich heute zum Abschluss seiner elftägigen Info-Segeltour zum Naturschutz
im Greifswalder Bodden sehr zufrieden mit der Resonanz bei den Wassersportlern.
„Hunderte Gespräche mit Seglern haben uns gezeigt, dass die Menschen bereit
sind, Rücksicht auf die Belange des Naturschutzes zu nehmen“, freut sich
WWF-Projektleitern Cathrin Münster in Neuhof, der letzten Tourstation. Das
WWF-Team, dass mit einem historischen Zeesboot und zwei Segelyachten unter
Panda-Flagge an der Ostseeküste unterwegs war, informierte in elf Häfen über
die „Freiwillige Vereinbarung Naturschutz, Wassersport und Angeln im
Greifswalder Bodden und in Strelasund“.
Erwartungsgemäß
hätten einheimische Segler die Vereinbarung, die ihnen zahlreiche
Beschränkungen auferlegt, gut gekannt. Bei den Touristen, die oft zum ersten
Mal davon hörten, sei die Akzeptanz groß gewesen. „Wir haben erfahrene Wassersportler
im WWF-Team. Diese Gespräche auf Augenhöhe haben die Menschen überzeugt“,
berichtet Cathrin Münster.
Derzeit
beobachtet der WWF an 18 Stellen im Schutzgebiet Greifswalder Bodden, ob die
Vereinbarungen von Wassersportlern und Anglern auch tatsächlich eingehalten
werden. „Nach unseren Gesprächen in den Yachthäfen sind wir optimistisch, dass
es nur wenige Verstöße gibt. Und wenn jemand in ein Sperrgebiet segelt, dann
geschieht das meist aus Unwissenheit“, erklärt die WWF-Sprecherin. In einigen Monaten
veröffentlicht der WWF die Ergebnisse seiner Untersuchung.
Die
freiwillige Vereinbarung läuft Ende 2007 aus. WWF, Angler- und
Wassersportverbände sowie das Umweltministerium wollen die Regelung danach
möglichst dauerhaft umsetzen. „Was wir hier im Greifswalder Bodden im
Zusammenspiel aller Interessengruppen erreicht haben, hat Modellcharakter. Das
zeigen auch die zahlreichen Anfragen aus anderen Regionen, in denen ähnliche
Vereinbarungen diskutiert werden. Wir sind zuversichtlich, dass dieses Projekt
dauerhaft funktioniert“, so Münster. Die Behörden erarbeiten derzeit für das
europäische Natura2000-Gebiet einen Managementplan, in den die Vereinbarung
zwischen Naturschützern und Wassersportlern einfließen soll. Damit bekämen die
freiwilligen Regeln einen rechtlich verbindlichen Charakter.“
Text: WWF-Presse-Info v. 21.07.06 - www.wwf.de
Anmerkungen: Freiwillige Vereinbarungen werden im Allgemeinen
getroffen, um die Flut gesetzlicher Regelungen einzudämmen bzw. zukünftigen
gesetzlichen Regelungen zuvorzukommen. Insofern ist es nicht so recht
nachvollziehbar, warum der WWF nun nach Abschluss dieser Vereinbarungen bei den
Behörden aktiv wird, um genau diese freiwilligen Vereinbarungen, die ja
„Modellcharakter“ haben sollten und von denen der WWF überzeugt ist, „dass
dieses (Modell-)Projekt dauerhaft funktioniert“, in entsprechenden staatlichen
Regelungen festschreiben lassen möchte. Das kann als kein gutes Zeichen für
vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und –nützern verstanden
werden. Erst werden die Vertreter der Angler und Wassersportverbände ins
gemeinsame Boot „Natur“ gelockt und dann soll genau das, was unter dem
Blickwinkel der „Freiwilligkeit“ vereinbart wurde, 1 zu 1 als Gesetz oder
Verwaltungsvorschrift für unbegrenzte Zeit festgeschrieben werden. Nein, das
hat nichts mehr mit Kooperation zu tun, wie sie unter gleichberechtigten
Partner stattfindet. Sollte der WWF erreichen, dass diese freiwilligen
Vereinbarungen von staatlicher Seite festgeschrieben werden, kann das bislang –
auch vom WWF – attestierte Modell der „freiwilligen Vereinbarungen“ als
gescheitert angesehen werden; diente es doch lediglich dazu, die Grundlagen für
eine rechtlich verbindliche Regelung zu finden. Der WWF braucht sich nicht zu
wundern, wenn in Zukunft der eine oder andere Wassersportverband mit großem
Misstrauen die Aufforderung des WWFs zur Kenntnis nimmt, zusammen mit ihm
freiwillige Vereinbarungen zu treffen. (U.Beier)