Im KAJAK MAGAZIN berichtet Björn Nehrhoff von Holderberg in dem
Beitrag:
„Fehmarn für ein Wochenende“
u.a. über eine Umrundung von
Fehmarn, Deutschlands zweitgrößter Insel (ca. 65 bis 78 km).
Übrigens, ab 3 Bft. Wind ist
eine solche Umrundung nur noch etwas für erfahrene Kanuten, und ab 4 Bft. sind
Seegangserfahrungen (inkl. Brandung) Voraussetzung.
Eines zeichnet jedoch
Fehmarn aus: Wenn’s kritisch wird, kann man fast immer sofort anlanden.
Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier die Regel:
Dennoch kann die Umrundung
nicht ganz problemlos ablaufen. Innerhalb eines Jahres musste ich persönlich 3
Umrundungen vorzeitig abbrechen, 1x wegen Dauerregen, 1x wegen Dauerregen und
Wind und 1x wegen 7er Windböen kurz vor der Fehmarn-Sund-Brücke.
Insbesondere der Bereich vor
dem Fährhafen kann als der kritischste Bereich der Tour angesehen werden. Ab
3-4 Bft. Wind aus NW bis SO kann sich dort eine schwierige Welle aufbauen. Björn Nehrhoff schreibt dazu:
„Wie ein winziger Korken schwappen wir
auf den chaotischen Wind- und Reflektionswellen vor der Mole, zu denen sich
auch noch Schiffswellen gesellen. Es folgt ein Tanz der Paddler vor einer
turmhohen, weißen Wand aus Stahl. Die Fähre „Deutschland“ verlässt gerade den
Hafen mit Kurs auf Rödby.“
Und in dem Beitrag „Rund Fehmarn in 2 ½ Oktobertagen“ von Karin Bunge (in: SEEKAJAK, Nr. 86/03,
S.36f) ist über eine andere Fährhafenpassage Folgendes zu lesen:
„ …. Am nächsten Morgen tobte in
Augenhöhe die Brandung. Überall waren nur noch Schaumköpfe zu sehen. Keine
Angler mehr weit und breit. Für mich stand fest, dass wir nicht paddeln. Wie
entsetzt war ich dann, als ich hörte, dass wir sehr wohl paddeln müssten. Wir
wollten bis vor den Hafen von Puttgarden kommen und dann nahe eines Feldweges
aussetzen, um die Autos per Taxi holen zu können. „Keine Bange Bunge, wenn du
erst einmal im Boot sitzt, sieht es bei diesem achterlichen Wind meistens nicht
mehr so gefährlich aus!“ bekam ich von unserem Fahrtenleiter zu hören. ……
„Heute sind wir uns ja immerhin in der
Kleiderordnung einig“ meinte Nils, als er die gestrige
„Shirt&Shorts-Fraktion“ in die Trockenanzüge schlüpfen sah.
Die Startparole lautete: „Dicht hinter
der ersten Brandungszone paddeln!“
Der Fahrtenleiter holte seine „dicken
Dinger“ (Kaliber: 300m x 40 sek.) aufs Achterdeck, entsicherte sein „Nico“ und
hängte so’n schwarzen Kasten mit Antenne vor seine Brust. „Welch ein Trost!?“
Dann ging’s aufs Wasser.
Der „Sicherste“ als Erster, der
„Erfahrenste“ als Letzter.
Wir konnten die Hafeneinfahrt und die
Fährschiffe ja schon vom Start aus sehen, also so weit ist es ja gar nicht.
Aber die Brecher kamen von der Seite und der Wind von achtern mit 5-6 … und ich
fahre ein Skegboot!
Es war wirklich nicht schön und ich
platzte fast vor Konzentration. … Stützen – 2 Paddelschläge – stützen – 2
Paddelschläge – bremsen – ja nicht ins Surfen kommen!
Hin und wieder war das gesamte Boot
überspült und vor der immer näher kommenden Hafeneinfahrt brodelte die See.
„Wie fühlt Ihr Euch?“ fragte einer, „Na
ja, noch ganz gut, wenn es nicht schlimmer wird ….“ war die Antwort. „Es wird
schlimmer!“ schallte es zurück.
„Wenn wir nur diese verdammte steinerne,
mehrere 100 Meter ins Meer hinausragende Hafeneinfahrt passieren könnten, wären
wir gleich danach im Windschatten und müssten die Tour nicht abbrechen“, waren
unsere Überlegungen. Rechts hinterm Strand sahen wir Autos auf dem
angekündigten Feldweg und nach links voraus müssten wir, wenn wir am Hafen
vorbei wollten.
Als wir testen wollten, ob wir im
Notfall auch zurück gegen den Wind ankämen, trieben wir bereits derartig ins
Flache, dass wir schnellstens wieder hinaus aufs Meer paddelten.
„Wie fühlst du dich, Karin?“, wurde ich
nun konkret gefragt. Ich blickte zu Bodo, einen alten erfahrenen Seekayaker,
ich schaute zu Nils, der im letzten Jahrtausend noch Wildwasser fuhr, und
meinte dann wohl wenig überzeugend: „Wenn’s nicht schlimmer wird, ist es ok.“ Kurz
danach erhielt ich dafür die Quittung: „Wir müssen abbrechen! Ab nach
Steuerbord zum Strand!“ Das wollte ich aber auf gar keinen Fall und rief
zurück, dass ich es bestimmt schaffen würde. …
Wir musste noch einmal vor der
Hafeneinfahrt abbremsen, um eine auslaufende Fähre passieren zu lassen. Dann
kam es, wovon ich bislang nur träumte: Von hinten die 2 Meter hohe durch den
Sturm aufgebäumte, von Untiefen gereizte See und von vorn die Bug- und
Heckwellen der Fähre. Das reinste Wellenchaos. Ich wusste gar nicht so schnell,
wo ich zuerst stützen sollte …, aber der Kiel blieb wo er hingehörte – unten.
Dann plötzlich – Ruhe. Wir hatten den
Hafen hinter uns gelassen.“
Solche Gewässerbedingungen gibt
es wohl etwas häufiger; denn es hat mal eine Gruppe gegeben, die ebenfalls das
Wellenchaos vor der ca. 50 m breiten Fährhafeneinfahrt erlebten und in ihrer
Angst das taten, was nur den Fährschiffen erlaubt ist: Sie flüchteten ins
Hafenbecken, um Schutz vor dem Seegang zu suchen, und legten so kurzzeitig den
Fährverkehr lahm, nichts ahnend, dass eigentlich während der Zeit vom
1.5.-30.9. der ganze Hafeneinfahrtssektor bis ca. 2 km hinaus für den
„öffentlichten Verkehr gesperrt“ ist (s. www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Fehmarn.pdf
>S.3)
Wer also mal Fehmarn
umrunden will, sollte sich vorher über die Wetterlage informieren, z.B. per
SMS-Abo bei www.seewetter.de
Text: U.Beier
Quelle: KAJAK-MAGAZIN,
Nr.3/11, S.16-21 – www.kajak-magazin.com