05.12.2006 Wasserhosen (Wetter)
In
der YACHT erläutert Michael Sachweh
in dem Beitrag:
„Wirbel aus Wind und
Wasser“
wie
Wind- und Wasserhosen entstehen.
Letztlich
handelt es sich dabei um einen Tornado, d.h. um einen „Wirbelsturm mit
vertikaler Achse und einem Durchmesser von nur wenigen hundert Metern (sog. Großtrombe)“,
wovon es bei uns in Deutschland im letzten Jahrhundert durchschnittlich pro
Jahrzehnt 100 solcher Winderscheinungen zu beobachten waren. Zwischen 2001 und
2006 wurde dagegen schon 235 Tornados gezählt, wovon allein in den ersten acht
Monaten von 2006 insgesamt 60 auftraten.
Einen
Tornado erkennen wir daran, dass aus einer Quellwolke eine Wolkensäule
(Rüssel/Schlauch) herauswächst. Bei einem ausgeprägten Tornado erreicht dieser
Rüssel den Boden (sog. Windhose) bzw. das Wasser (sog. Wasserhose). Er entsteht
dadurch, dass
Je
nachdem, ob der Tornado an Land oder auf dem Wasser auftritt, sehen wir an
seinem Fuß zumindest eine Staub- bzw. Gischtwolke, und zwar auch dann, wenn der
Rüssel selber nicht zu beobachten ist.
Die
Stärke eines Tornados wird nicht nach der Beaufortskala (12 Bft. ab 118
km/h), sondern nach der „Fujita-Skala“ (F1-F5) (USA) bzw. der „Torro-Skala“
(T1-T11) (Europa) bestimmt (siehe: www.tordach.org/at/t_faq.html
):
T0 (61-86 km/h) = lose Gegenstände werden
spiralförmig hochgehoben;
T1 (87-115 km/h) = leichte Schäden entstehen an
Hütten oder Gartenmöbeln;
T2 (116-148 km/h) = schwere Mobilheime werden bewegt;
T3 (149-184 km/h) = leichte Wohnwagen und Garagen
werden zerstört;
T4 (185-220 km/h) = ganze Dächer fliegen davon, viele
Bäume werden geknickt;
T5 (221-259 km/h) = Gebäudeschäden, nur massive
Mauern bleiben stehen;
T6 (260-299 km/h) = schwere Fahrzeuge werden
hochgewirbelt;
T7 (300-342 km/h) = massiv gebaute Häuser stürzen zum
Teil ein;
T8 (343-385 km/h) = Autos werden weite Strecken geschleudert;
T9 (386-432 km/h) = Stahlbetonbauten werden stark
beschädigt;
T10 (433-482 km/h) = Stahlbetonbauten können zerstört
werden;
T11 (ab 483 km/h) = großflächige und verheerende
Zerstörung.
Die
Entstehung eines Tornados stets voraus, dass unten über dem Erdboden sich
feuchte Warmluft liegt, die sich kaum bewegt. Ob dagegen befindet sich trockene
Kaltluft, die sich so schnell über der unteren Luftschicht bewegt, dass diese
nicht durch die Kaltluft dringen kann. Die Sonneneinstrahlung kann nun
dazuführen, dass die Warmluft schnell aufsteigt (bis zu 20-25 m/sec) und
regelrecht die darüber liegende Kaltluftschicht durchstößt. Die Folge: Kaltluft
fällt nach unten und der dadurch entstehend Unterruck lässt weitere Warmluft nach
oben steigen. Die dabei sich entwickelnde Wirbel ist auf den Druckausgleich
zurückzuführen; da dieser über den Weg des geringsten Widerstands erfolgt, und
der führt bei Wasser zu einem „Strudel“ und bei Luft zu seinem „Wirbel“.
Wasserhosen,
die sich aus Windhosen entwickeln, entstehen, wenn z.B. ein Gewittertief
heranzieht und auf schwülwarmes, diesiges, schwachwindiges Wetter über warmen
Küstengewässern trifft. Wenn dann der Luftdruck stark fällt und höhere
Wolkenfelder ungewöhnlich schnell ziehen, steigt das Tornadorisiko. Am meisten
ist damit zwischen Mai und August zu rechnen, und zwar spät nachmittags.
Die
Antriebsquelle echter Wasserhosen ist dagegen die hohe Temperaturdifferenz
zwischen dem relativ warmen Wasser und der kalten Luft in der Höhe. Solch einer
Wetterlage ist meist zwischen Juli und Oktober anzutreffen (Mittelmeer: August
– November). Voraussetzung ist aber auch hier, dass über dem Erdboden ein
flaches Tief mit wenig Wind (fast Flaute) herrscht.
In
der Deutschen Bucht treffen wir zwischen Cuxhaven und St.Peter-Ording auf die
meisten Wasserhosen und in der Ostsee rund um Rügen, insbesondere dem
Greifswalder Bodden. Es handelt sich dabei meist um T0- und T1-Wirbel, die
immerhin bis zu 12 Bft. wehen. Im Mittelmeer sind folgende Gebiete gefährdet:
Straße von Gibraltar, Alboransee, die Balearen, Côte d’Azur bis ligurische
Küste, nördliche Adria, Straße von Otranto, türkische Riviera. Hier sind T1-
und T2-Wirbel zu beobachten, manchmal aber auch T3- bis T4-Wirbel.
Den
möglichen Beginn einer Wasserhose erkennen wir, wenn große Quellwolken über
zapfenförmig herunterhängende Wolkenteile verfügen oder ein Gischtfuß zu sehen
ist.
Warum
in den letzten Jahren immer mehr Tornados auch bei uns in Europa beobachtet
werden, liegt u.U. auch daran, dass im Zeitalter von Digitalkameras und
Handy-Kameras viel leichter solche Winderscheinungen belegt werden können.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Wassertemperaturen steigen, was
die Verdunstung und somit die Entstehung von hoch reichenden Quellwolken
fördert. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Karibik das Revier mit den
meisten Wasserhosen ist.
Quelle: YACHT, Nr. 21/06, S.36-41 –
www.yacht.de
Link:
è www.tordach.org/at/t_faq.html